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Im Dezember 2006 hat Andy eines seiner raren Interviews gegeben,
nachzulesen ist es hier.

Interview vom Februar 2005:

Servus Andy!

Grüss Sie!

Schön, dass es mit dem Interview-Termin nun geklappt hat, wir beide haben’s ja schon länger vor! ;o))
Gleich zur ersten Frage: In wenigen Wochen, rechtzeitig zu den kommenden
BAUM - pur-Konzerten, erscheint die zum Programm gehörende Live-CD. Wie ist es zu dem Entschluss gekommen, diese Live-CD zu produzieren?

Ein spontaner Entschluss, der 4 bis 5 Monate Zeit hatte zu reifen (lacht)! Nein, im Frühjahr 2003 haben wir eine erste kleine Serie von Gigs gespielt und waren alle drei, die wir auf der Bühne gesessen sind, alle die im engeren Kreis mit der Vorbereitung damit betraut waren, sehr angetan von der Energie dieser Auftritte. Somit war es fast eine logische Konsequenz, dass wir versuchen, dies mal mitzuschneiden. In der Kulisse hat es sich dann ergeben, dass wir zwei Abende hintereinander gespielt haben und dann ist wirklich relativ schnell entschieden worden, dass wir auch mitschneiden wollen. Wir haben dann den Chris Scheidl gebeten, dass er mit entsprechendem Equipment kommt und sich in einer der nicht gerade üppigen, aber doch funktionellen und charmanten Garderoben der Kulisse setzt und das Konzert mitschneidet.

Wer war aller an der Produktion beteiligt?

In der Kulisse vor Ort wir drei natürlich die wir auf der Bühne waren, Karl Kammerer, der mitorganisiert hat, du, der Fips, unser Techniker, der die Live-Technik über hat, und wie schon erwähnt, Chris Scheidl, der alles was Fips vorne bekommen hat, nach hinten in die Garderobe bekommen hat, um dies alles so neutral wie möglich aufzunehmen.
Im Mixprozess der ganzen Geschichte waren zwar wir drei Musiker mit Feedback zur Stelle, aber in erster Linie hat Michi Dörfler von den Tripbox-Studios dran gearbeitet, der eigentlich eher aus der jungen Elektronik-Szene kommt. Das hat es aber auch sehr spannend gemacht, weil da jemand auf die Musik hingegriffen hat, der zwar großen Respekt vor dem was wir machen, aber eben keine Pop-Rock-Schule-Vorbelastung hat. Da sind ein paar sehr erfrischende Dinge entstanden!

Aufgenommen wurde die CD schon im Herbst 2003 in der Wr. Kulisse. Warum erscheint das Album erst jetzt?

Nachdem der spontane Entschluss 4 Monate gedauert hat, kannst du die vorstellen, wie lange Sachen dauern über die wir nachdenken! (lacht)
Nein, im Ernst: Voraussetzung war mal, dass wir uns Zeit gelassen haben, sie fertig zu stellen, weil es nicht darum ging, es schnell 1:1 runterzumischen, sondern mit großer Sorgfalt die Atmosphäre, die diese beiden Auftritte gehabt haben, einzufangen und diese zu übersetzen aber gleichzeitig so ehrlich wie möglich zu bleiben. Das heißt, nicht irgendwo „nachzudrehen“ und stückweise Sachen nachaufzunehmen, sondern durchaus auch die kleinen Ecken und Kanten, die ein Live-Konzert einfach immer wieder hat, drinnen zu lassen. Aber gleichzeitig über das Ganze ein moderneres unbefangenes Hingreifen hören zu lassen, ohne dass es spekulativ wird und die ursprüngliche Atmosphäre angreift. Und das ist Michael Dörfler meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das hört man und das hat einfach seine Zeit gebraucht, dass man das so hört.
Zum anderen war es auch nicht wichtig, in dem Moment, wo die CD fix und fertig war, gleich unter die Leute zu kriegen. Da wiederum zum einen, weil auf die momentan üblichen Vertriebswege sowieso nicht „mörderisch Meter setz“, nachdem das ein Produkt ist, das sich zwischen den silikongefüllten Hitklonen sowieso nicht platzieren lässt, war’s auch überhaupt nicht wichtig, diese Schiene zu suchen. Das heißt, es war auch die Überlegung, wie bringen wir das Ding an den Mann und bei welcher Gelegenheit? Und da sind wir schon beim Stichwort „bei welcher Gelegenheit“: Es war klar, dass wir mit Ende März/Anfang April 2005 ein bisschen durch Österreich spielender Weise spazieren wollen und dass es Sinn macht, die CD da mitzunehmen.

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Es ist ja nach wie vor ziemlich still um dich, abgesehen von den
BAUM - pur-Konzerten, die im Frühjahr stattfinden. Warum ist das so?

Also ich genieße es absolut auf die Bühne zu gehen und zu spielen und zu spüren, was da passiert oder sehr oft passieren kann. Aber ich glaube, dass wir jetzt grad miterleben, wie eine Industrie – zugrunde geht ist vielleicht zu grob ausgedrückt - den Bach runtergeht, wie ein Business den Bach runter geht, nämlich das der Tonträgerindustrie und der damit verbundenen Geschichten, zu denen auch Konzerte gehören.
Wenn ich mir die Entwicklung diesbezüglich der letzten 10 Jahre anschaue, dann ist es nicht nur so, dass sich mein Bedürfnis, in diesem Getriebe mitzumischen in Grenzen hält, es ist sogar eher so, dass ich es ganz bewusst meide, weil ich mit dem Betrieb des Musikverkaufens, wie er sich jetzt versteht und so wie er jetzt kurz vorm Kollaps ist, nichts zu tun haben will. Und solange mit diesen – für mich zunehmend unsympathischen - Mechanismen Platten, Stars, Images und die dazugehörigen Konzerte an den Mann gebracht werden, will ich nichts damit zu tun haben. Das heißt: Solange eine Präsenz nur über diese Mechanismen läuft, bin ich nicht dabei. Und das halte ich einfach supergut aus.
Ich weiß eh wer ich bin und was mich ausmacht und muss es nicht ständig reflektiert haben. Für mich ist auf die Bühne gehen und musizieren ein Abend mit Freunden und nicht ein Abend mit Therapeuten.
Das klingt vielleicht alles viel zu kompliziert, was ich dir jetzt sage und der Kern der Sache ist noch immer nicht heraußen, ich weiß aber nicht, wie ich es viel anders sagen soll. Also: Ich habe das Gefühl, dass mir - wenn ich versuchen sollte, mich präsenter zu machen - nur die althergebrachten Mittel zur Verfügung stehen und die finde ich über weite Strecken zum Kotzen. Althergebrachte Mittel heißt: Ein möglichst geschmacksdienliches Produkt, das möglichst unauffällig in den diversen Radios dafür sorgt, dass die Werbung ihre Messages unterbringen kann und sich auch in diversen Aufzügen eignet, stuhlgangbeschleunigend zu wirken.
Ich weiß, dass ist alles etwas zynismusgefährdet, aber ich habe momentan das Gefühl, eine völlig irritierte Musiklandschaft vorzufinden, mit sämtlichen Beteiligten, auch viele der Musiker - wobei ich die jüngste Generation davon ausnehmen möchte, weil ich glaube, dass da sehr viele junge Leute sehr unbelastet und energetisch unterwegs sind. Aber alle die das Geschäft „gut kennen“, befinden sich meiner Meinung nach in einem sehr irritierten Zustand. Inklusive dem dazugehörigen Publikum. Und Musik als etwas zu vermitteln, was ganz direkt in dich eindringt und dort was auslöst, was zu als Zuhörer wieder zurückschicken kannst, das sind ganz ganz seltene Momente, die auch über die derzeit noch praktizierten Mechanismen der Musikindustrie kaum transportierbar sind.
In mir schwingt nach wie vor sehr viel Musik und auch immer wieder das Bedürfnis, sie nach außen dringen zu lassen, aber ich überlege es mir sehr genau – und das ist sicherlich ein Nachteil des Älterwerdens, das auch viele Vorteile hat - bevor ich etwas, das mir so wertvoll erscheint, unbekümmert hergebe bzw. ob ich sie einer Systematik opfere, die ich eigentlich zum Sch… finde.

Was passiert deiner Ansicht nach diesem Kollaps der Musikwirtschaft?

Ein hochinteressanter Neuaufbruch. Ich glaube, dass es das was wir heute als Tonträgermarkt kennen, nicht mehr in dieser Form geben wird. Das klingt vielleicht ein bisschen trocken, weil ich es immer von der industriellen Seite aufziehe – aber die industriellen Faktoren tragen eine hohe Mitverantwortung dafür, dass Kreativität heute nicht mehr wahrgenommen wird. Es wird nur mehr wahrgenommen, ob etwas einem „Verkaufsförderband“ entspricht, ob es da rauf passt oder nicht. Es ist kein Qualitätskriterium mehr, wenn etwas nicht entspricht und ganz spannend auf etwas Neues aufmerksam macht. Das interessiert die Musikwirtschaft zurzeit nicht.
Zurück zum Neuaufbruch: Das wir heute Tonträgermarkt nennen, wird es meiner Ansicht nach in der Form nicht mehr geben. Die Vermittlung wird auch eine völlig andere sein: Die „Konsumenten“ haben sich zum Teil schon dran gewöhnt und werden sich in zunehmendem Maße daran gewöhnen, dass die Menge der Angebote deutlich höher wird. Ich glaube, dass sich viele Dinge aufheben werden. Ich bin davon überzeugt, dass das Radio im Internet einen völlig anderen Stellenwert bekommen wird, genauso das Fernsehen über das Netz. Erste Indizien für mich sind so Dinge wie dass eine Menge Computerhersteller auf Multimedia-PCs setzen. Das wird einfach die Drehscheibe werden. Ob ich das jetzt sympathisch finde oder nicht ist eine völlig andere Geschichte, aber das klassische „mit etwas aufwachsen und daran gebunden sein“ wird es in der Form nicht mehr lange spielen. Kann zwei Folgen haben: Zum einen ziemliche Orientierungslosigkeit aber auch eine höhere Entscheidungskompetenz. Das heißt, ich muss mir, wenn ich jung bin, früher oder genauer aussuchen, was ich will. Es wird mir zwar angeboten werden, aber nicht auf Knopfdruck. Ich muss sehr präzise sagen: So will ich es haben.

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Ist es dann mit dem Umbruch und Neubeginn auch für deine Musik eine neue Chance oder geht sie dann noch mehr unter?

Nein, ich glaube, dass es generell eine Chance ist, eine Wieder-Sensiblität auf allen Ebenen für Kreativität für „Nicht-Massenware“ zu entwickeln. Also ich glaube, dass wir jetzt schon im Kollapsbereich in der Massenbedienung sind. Ich hab das vor kurzem mit einem Fichtenbaum verglichen, der kurz vorm Sterben ist: Er wirft Bockerl ab bis die Wiese überschwemmt ist, nur um sicherzustellen, dass es eh weitergeht. Und so kommt mir im Moment das Musik-Business vor.

Verstehe. Und erst dann wird man auch mit einem neuen Album von dir rechnen können?

Ja, und ich glaub auch, dass die Vertriebs- und Kommunikationswege ganz andere werden. Wir werden uns von dem Gedanken einer z. B. CD lösen müssen. Also ich glaube, dass es in Zukunft auch durchaus interessant ist, ein Stück Musik zu haben, das schon mal von der 3-min-Norm der Werbekundenbetreuung im Radio losgelöst ist. Wenn ich das Gefühl habe, ich hab da was und ich will, dass das rausgeht, dann kann ich das heute schon an entsprechender Stelle ins Netz stellen und hoffen, mich in demjenigen, der diese Webseite betreut und zur Verfügung stellt, nicht geirrt zu haben. Aber ich kann heute schon sehr gezielt sagen: Dort wohnt das Publikum, das ich suche und ich hole die Leute ab, wo sie ohnehin sind. Es ist beim Großteil der Konsumenten noch nicht gelebte Praxis, aber viele Leute machen das schon. Sehr viele junge Leute suchen nicht aufs „gerade Wohl“ Musik oder kaufen, weil ihnen eine Nummer von U2 gefällt die CD, sondern gehen z.B. auf i-tunes und laden sich genau diese eine Nummer runter und zahlen dafür 99 Cent. Super Idee!

Ich glaube, dass der Musikkonsum dann viel präziser entschieden wird. Wenn der Konsument mal weiß, wo die Sachen sind, wird er sich genau das was er will und braucht, genau dort holen. Das wird nicht das Ende der Neugier sein.
Auch bin ich davon überzeugt, dass der Kontakt zwischen Bühne und Publikum – sprich das Live-Musizieren – einen deutlichen Schub bekommt.

Nachdem ich mit Musik-Download im Internet leider gar nicht auskenne: Wie kommt jemand drauf sich eine Nummer runterzuladen? Genauer: Wie wird er auf die Nummer überhaupt aufmerksam?

Wenn jemand ein bestimmtes Musik-Genre sucht,wird er wissen, er kann sich Musik von diesem Genre dort und dort gegen Bezahlung runterladen. Außer, wenn jemand seine Musik frei ins Netz stellt. Dann ist das die Entscheidung dieses Urhebers oder dieses Produzenten und fein wenn Leute dieses Angebot nützen. Was ich nicht ok finde ist, Songs verbotenerweise reinzustellen die an sich kostenpflichtig sind, weil ich glaube, dass Musik sehr viel wert ist und das darf man nicht unterschätzen.

Um auf das "Finden" zurück zu kommen: Wenn du einen bestimmten Act suchst, dann kriegst du bei den meisten Anbietern automatisch ähnliche Nummern zu deinem Musikgeschmack angeboten.

Verstehe! Da bin ich einfach noch zu wenig auf dieser Schiene unterwegs!

Ja ich eigentlich auch! Aber ich glaube, dass das die Musikverbreitung der Zukunft ist. Das und die Bühne. Ich glaube auch, dass eine große Sehnsucht nach „kleiner Magie“ spürbar ist. Schluss mit Monster-Shows, es ist ohnehin nicht mehr zu toppen. Das nächste das kommt, sind dann Hologramme. Ist sicher obergeil. Oder was weiß ich: aufblasbare Bildschirme oder ähnliches. Das wird’s auch alles geben, da bin ich völlig davon überzeugt, und das wird am Anfang ein Aha-Effekt sein, dann werden es alle haben, wir werden das sehen, bis der Arzt kommt und nur ganz wenige werden diese neuen Mittel kreativ nutzen.

Parallel dazu orte ich, wie gesagt, eine große Sehnsucht nach der „kleinen Magie“, die da heißt, dass jemand auf die Bühne geht und sich spürbar macht und nicht fernrohrpflichtiger Bestandteil einer Monster-Show.

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Da hast du wahrscheinlich recht! Meine letzte Frage: Was steht 2005 für dich auf dem Plan?

Musikalisch gibt es heuer zwei Projekte, auf die ich mich total freue und wo ich zum Teil eh schon mitten drin bin. Das eine ist eine „Universum“-Dokumentation über den wilden Westen, die aber fast ein bisschen einen Kinoanspruch hat, also mit Spielfilm-Elementen. Musikalisch wie auch bildlich wird anhand der Klischees der 50iger, frühen 60iger Jahre-Western gearbeitet. Das heißt, der Kitsch-Heini in mir kann aus dem Vollen schöpfen, dass es nur so eine Freude ist, mit allem Drum und Dran, was eben der musikalische Beitrag in dieser Zeit zum Thema „Western“ war. Das ist das eine und da war ich auch letzten Herbst in Amerika um mit einem Typen aus dem amerikanischen Berufsbild „Singing Cowboy“ – das gibt es dort drüben nach wie vor – einen Song aufzunehmen, der auch in dieser Dokumentation gezeigt wird. Das macht einen Heiden-Spaß und muss im Sommer bzw. bis zum Herbst 2005 fertig sein.
Und das zweite: Mein Bruder hat vor Jahren die Geschichte und das Libretto zu einem Kinder-Musical geschrieben, da hab ich schon damals, als es entstanden ist, aus drei Texten Songs gemacht und so wie es aussieht, hat sich jetzt ein Verlag drum angenommen und das soll in absehbarer Zeit uraufgeführt werden. Das heißt: Auch da wird’s eng! (lacht)

Danke vielmals, kann ich nur sagen! War hochinteressant!

Bitte gerne, Dagmar!

(Februar 2005)

zum Interview aus dem Jahr 2002

zum Interview aus dem Jahr 2000











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