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August 2000
Servus Andy! Es freut mich, dass Du Dir für das Interview Zeit genommen hast! Ich habe einige Fragen zusammengestellt, von denen ich glaube, dass sie Deine Fans interessieren.

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Los geht's:
In den letzten Jahren ist es wieder still um Dich geworden. Hängt das mit der Gründung Deiner Familie zusammen oder ist es eher eine kreative Pause?
Beides, die kreative Pause ist eine sehr bewusst angegangene, weil ich das Gefühl hatte, mich auf einem Routineweg zu befinden, der mich ein bisschen, zeitweise sogar sehr viel von meiner Leidenschaft kostet. Zum anderen die Familie, die ebenfalls ein sehr bewusst gesetzter Schritt war. Es ist zwar von außen still gewesen, aber „Baum-intern“ war mir nicht wirklich fad! (lacht)
Wann kommt Dein neues Album voraussichtlich auf den Markt?
Wir haben jetzt einmal den Herbst 2001 angepeilt. Wenn's ein bisschen früher ist, kommt's ein bisschen früher, wenn's ein bisschen länger dauert, macht's uns auch nichts.
Hast Du schon Vorstellungen, wie es aussehen soll?
Kann ich Dir noch nicht wirklich im Detail sagen. Ich kann nur sagen, dass es auch durch die Tätigkeit der letzten Jahre einfach irrsinnig Spaß machen wird, Dinge, die heute passieren, in meine Lieder einfließen zu lassen. Ich werde mit Sicherheit nicht versuchen auf Druck „hip“ zu sein, das hat mich noch nie interessiert. Es passieren einfach musikalisch, inhaltlich und stilistisch hochinteressante Sachen und davon ein bisschen zu antizipieren ist sicher spannend.
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Ich habe gelesen, dass Du an einem Kindermusical gearbeitet hast. Was ist daraus geworden?
Ich arbeite noch immer daran! (lacht) Hoffentlich hört das mein Bruder nicht! Er hat das Libretto geschrieben. Ich fürchte es ist mittlerweile 2 - 3 Jahre her, dass er es bis auf einige Feinheiten fertiggeschrieben hat und ich hab am Anfang gleich 3 Songs gemacht, hab jetzt aber ein bisschen pausiert. Vor einem Monat haben wir uns vorgenommen, es intensiver anzugehen. Es ist einfach eine irrsinnig witzige Geschichte. Ich glaube, dass man ein Kindermusical heute auch so machen kann. Der Inhalt ist überhaupt nicht verstaubt, sondern wie gesagt witzig, aber auch sehr lehrreich. Es ist eine Geschichte über die Zeit, und ich glaube, dass man es auch musikalisch so gestalten kann, dass nicht, außer bei eingefleischten Nutzern, sofort das große Gähnen kommt.
Du hast Dir mittlerweile auch als Produzent einen Namen gemacht. Besteht die „Gefahr“, dass Du Dich früher oder später ganz aufs Produzieren verlegst?
Nein, die besteht nicht, glaube ich. Auch wenn ich das „Selberschreiben“ in letzter Zeit sehr hintangehalten habe. Dazu ist zuviel eigene Musik in mir, zuviel was raus will und raus soll. Produzieren ist zwar eine Tätigkeit, die mich irrsinnig fasziniert und die auch eine große Leidenschaft von mir abdeckt, aber das alleine würde nicht reichen.
Gibt es etwas, dass Du gerne können oder lernen möchtest?
Bezogen auf meine Musik: Es gibt handwerklich einige Sachen, die ich gerne lernen möchte. Was mich unheimlich fasziniert ist der Umgang mit dem Klangkörper „Orchester“. Es ist etwas, das mir schon immer gefallen hat, was ich aber, aus welchen Gründen auch immer, unterschätzt habe und jetzt einen deutlich intensivierten Zugang dazu finde. Es ist mir allerdings auch klar, dass es nicht genügt ein paar Noten schreiben zu können, um ein Orchester zum Klingen zu bringen. Das unterliegt ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Alleine die Streichersektion hat ganz eigene Gesetze. Und das ist etwas, was ich mit Sicherheit lernen würde, lernen möchte und hoffentlich auch lernen werde.
Und dann habe ich aufgrund einer Arbeit, die ich zur Zeit mache, einige „Youngster“ kennengelernt die rappen, und mir war schon vorher klar, dass ich, auch wenn ich eine Begabung fürs Texte schreiben habe, ihnen sicher nicht schreiben werde, was sie rappen sollen. Ich habe einfach mitbekommen, dass sie den Inhalt der Songs und die Geschichte, die erzählt wird, antizipieren und ihre eigenen Texte schreiben, den sie dann in 10 Wörtern pro Sekunde rauspowern. Ich bin auch draufgekommen, wie unglaublich kompetent und selbstsicher junge Mädchen und Buben sind. Das ist etwas, was ich gerne lernen würde, aber ich glaube, das überlasse ich lieber denen, die damit aufgewachsen sind.
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Es ist für Dich Ehrensache bei Benefizkonzerten aufzutreten. Bis 1999 waren es 68. In den nächsten Monaten stehen wieder einige auf dem Programm. Was hat Dich bewegt, Dich so für soziale und Umweltanliegen zu engagieren?
Ich kann Dir jetzt gar nicht sagen, ob es einen Schlüsselgedanken dazu gibt oder nicht. Es hat mit Sicherheit nichts mit irgendeiner Art Kalkül zu tun, bei dem ich mir denke, dass engagierte Künstler die besseren Künstler sind. Ich bin sicher kein pragmatisierter „Gutmensch“, der das braucht um seinen Charakter abzurunden. Wenn ich helfen kann, dann helfe ich einfach irrsinnig gerne und wenn ich helfen kann und ich helfe im Moment nicht gerne, dann habe ich auch keine Scheu „nein“ zu sagen. Es gibt ein paar Sachen, die mir wichtig sind und es gibt einige Sachen, die aus der Gelegenheit heraus passieren. Es gibt grundsätzlich keinen Haltungsgedanken dazu, es ist einfach so! Das ist bei Dingen, die unter den Benefizcharakter fallen so und bei Dingen, die ausschließlich mit meinem Beruf zu tun haben, ebenfalls. Ich gehe auch sehr gerne mit Musikern in den Proberaum oder ins Studio, wenn ich das Gefühl habe ihnen helfen zu können, und denke nicht daran, wie viel ich in der Stunde verdienen könnte. Das hat mich, sehr zum Leidwesen meiner Eltern, noch nie wirklich interessiert!
Was ist Dein größter Traum?
(Lange Denkpause) Das mag jetzt sehr missionarisch klingen, aber ich glaube, dass die Gattung „Mensch“ die letzten Jahrhunderte und Jahrtausende nicht zu ihrem eigenen Nutzen verwendet hat, auch wenn das oberflächlich immer wieder so aussieht, und schon gar nicht zum Nutzen der Welt in der sie lebt. Eine über so lange Zeit andauernde Entwicklung kann man nicht mit einigen guten Gedanken schnell rückgängig machen, sondern es ist ein zäher Prozess in die andere Richtung vorwärts zu gehen. Ich würde es gerne für mich, in meinem kleinen Umfeld schaffen, und das fängt schon in mir, in meinem Ego an, schrittweise ein bisschen Klarheit zu lernen und leben zu können. Klarheit mit mir selber, Klarheit mit den Menschen, die mich umgeben. Wenn es mir gut geht, es auch vermitteln zu können, ohne jemanden zu belehren oder meins „aufzudrücken“. Einfach zu lernen ich selbst zu sein und so wahrscheinlich die größte Chance zu haben, andere so sein zu lassen wie sie sein wollen.
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Die Liste Deiner Projekte der letzten Jahre ist lang. Vor allem „feel-saitig“ klingt sehr interessant. Kannst Du es ein bisschen beschreiben?
„feel-saitig“ ist ein Geschichte, die sehr zufällig entstanden ist. Karl Kammerer, der eine Veranstaltungsagentur hat, diverse Events betreut und auch Management für verschiedene Leute macht, hat ein Konzert von Peter Ratzenbeck und Monika Stadler gesehen. Peter Ratzenbeck ist der Ragtime- und Picking-Gitarrist in Europa. Monika Stadler ist eine Harfenistin. An sich kommt sie aus dem Konzertfach und war früher bei den Wr. Symphonikern. Das ist ihr zu eng geworden, seit dem macht sie ihre eigenen Geschichten. Karl Kammerer war nach dem Konzert enttäuscht, dass die beiden nur hintereinander gespielt haben. Darauf angesprochen, haben die beiden gemeint, dass das ja nichts miteinander zu tun hätte. Er hat sich allerdings gedacht: „Ja, genau das ist spannend!“ und hat noch 2 Leute gesucht, die nichts mit denen zu tun hatten. Das war Franz Schmuck von den „Broadlahn“ und ich. Er hat gemeint, es wäre hochinteressant zu horchen und zu schauen, was rauskommt, wenn 4 Leute, die aus völlig verschiedenen Ecken kommen, miteinander musizieren. Peter Ratzenbeck ist im Moment nicht dabei, dafür ist Reinhard Ziegerhofer, der Bassist von den „Broadlahn“ dazugekommen, und das ist jetzt ein 4-Personen-Grundstock, wo es ungeheuren Spaß macht, miteinander zu tun. Erstens sind wir alle vier, glaube ich, offenporige und aufmerksame Musiker, was das miteinander Musizieren sehr spannend macht. Und die Näherung ist in keinster Weise mühsam, sondern passiert spielerisch und mit aller Neugier und aller Überraschung. Es soll ein Projekt sein, das soweit offen ist, dass es immer wieder Gäste beherbergt und willkommen heißt, die wiederum aus einer völlig anderen Geschichte kommen. Einfach: Einerseits miteinander Musik machen und andererseits damit auch Standestünkel und Grenzen, die in Wirklichkeit eh gar keine sind, als nicht existent ad absurdum zu führen.
Gibt es dieses Projekt nur live oder auch auf CD?
Im Moment gibt es das Projekt nur live, aber wir werden mit Sicherheit, nachdem es so gut „angelassen“ hat, schauen, dass wir, wenn wir einmal eine Konzertreihe mit 5 bis 6 Konzerten zusammenbringen, alle mitschneiden und wenn die Qualität und die Abende stimmen, ein Album daraus machen.
Spielst Du gerne in großen Stadien oder sind Dir kleine Lokalitäten und Clubs lieber?
Ich habe beides schon erlebt und es hat beides seinen Reiz. Mir ist, glaube ich, grundsätzlich diese potentielle, eh nicht immer stattfindende, aber potentielle intime Nähe in einem Club oder in einer überschaubaren mittleren Halle lieber, als das Stadion. Das Stadion hat einfach einen ganz anderen Reiz. Und ich hab's auch schon erlebt in einem an die 60.000 Leute fassenden Stadion eine Clubatmosphäre zustande zu bringen, da waren allerdings auch nur so viele Leute, wie normalerweise in einem Club reingehen. (lacht)
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Die Medien bezeichnen als immer wieder als „Geheimtipp“, was Live-Musiker anbelangt. Siehst Du das auch so?
Geheimtipp. Das war sehr sehr lange Zeit das Prädikat, ob es jetzt auch noch ein gültiges Prädikat ist, weiß ich nicht. Lange Zeit war es das und war mir weder besonders unrecht noch besonders recht, das ist halt einfach einer der Begriffe, die berichterstattende Instanzen brauchen, um das einzuteilen. Ich halte Geheimtipp jetzt nicht grundsätzlich für etwas Schlechtes. Also weltweit ein Geheimtipp sein: jederzeit! Das wäre schon nicht uninteressant! Damit könnte ich, glaub ich, ziemlich gut umgehen. (lacht)
Welche Musik hörst Du gerne?
Jede, die eine hör- und spürbare Ambition hat, wo es nicht, wie bei Zahnpasta, darum geht einen Markt abzudecken, sondern wo ich einfach das Gefühl habe, dass Leute mit all ihrer zu diesem Zeitpunkt möglichen Intensität und Energie dahintergestanden sind. Und dann ist mir ziemlich egal aus welcher Ecke es kommt. Das heißt aber nicht, dass das Sachen sind, die ich mir zuhause tagtäglich auflege, aber das heißt, dass, wenn ich es höre, sehr wohl spüre, ob etwas „daherkommt“ oder nicht und einfach einen Respekt entwickle, der über den handwerklichen Respekt hinaus geht.
Gibt es einen Ort, wo Du schon immer hin wolltest?
Einen Ort, wo ich schon immer hinwollte... Wenn ich es jetzt etwas pathetisch sage - was leicht esoterisch missverstanden werden könnte - dann sage ich: So nah wie möglich an mich. Und geografisch gibt's eine Menge, wo ich noch nicht war und was mich interessieren würde. Von Australien, über Thailand, über Frankreich, Irland, Indien, Tibet, China. Das reizt mich alles.
Wie siehst Du Dich selbst?
In vielen Dingen stinknormal. Mitunter vielleicht, je nach Geschmack derer, die mich von außen betrachten, vielleicht sogar langweilig normal. Was jetzt das Talent anbelangt, Lebensgefühl in Musik zu packen und damit wiederum Lebensgefühl auszulösen, das mag eine Unterscheidung sein, die ich jetzt aber nicht, als etwas Besseres oder Schlechteres werte, wie wenn jemand mit Leidenschaft Tische zimmern kann. Aber es ist mit Sicherheit etwas, was Menschen, die diese Art von Begabung, die im weitesten unter musische Begabung fällt, nicht so ausgeprägt haben, als etwas wahrnehmen, was mit ihrer Welt nicht zwingend etwas zu tun hat.
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Vermisst Du bei der Baum-Light-Version manchmal eine Band hinter Dir?
Nein, überhaupt nicht, weil wir schon in der Vorselektion der Titel, die wir spielen, schon viele Sachen rausgeschmissen haben, die mit Band super funktionieren, aber zu zweit einen kleinen Mangel haben. Und umgekehrt spielen wir einfach Sachen, die in der Band nie wirklich so gegriffen haben und die aber offensichtlich in der ursprünglichen Version am meisten Kraft entwickeln. Und ich denke, dass die Duo-Geschichte mit dem Polio eine ganz eigene Qualität hat und dass das Arbeiten mit Band eine andere, ganz eigene Qualität hat. Auf die Schnelle sehe ich mich nicht versucht, das zu vermengen.
Wie bereitest Du Dich auf einen Live-Auftritt vor?
Es gibt kein Ritual. Überhaupt nicht. Das einzige was mit einer beängstigenden Regelmäßigkeit kommt, das spätestens 3 Minuten bevor ich auf die Bühne gehe, ich einfach unglaublich nervös werde, einen totalen Knödel im Magen und im Hals habe, der sich aber, Gott-sei-Dank, in dem Moment, wo ich auf die Bühne gehe, schon wieder zu lösen beginnt. Ansonsten gehe ich eigentlich vor allem in den letzten Jahren so irrsinnig gerne auf die Bühne und singe so irrsinnig gerne, ob für mich oder für Leute, dass mir das Wesen dieser Tätigkeit mitunter die Ruppigkeit, mit der ich mich nicht vorbereite, verzeiht.
Welcher Deiner Songs spielst Du besonders gerne?
Das ist nie fix. Aber es gibt schon einige, die mir noch ein bisschen näher sind als die anderen. Mit Sicherheit gehört „Slow Down“ dazu, nicht weil die Nummer am meisten „Karriere“ gemacht hat, sondern weil es einfach ein sehr sehr ursprüngliches und unmittelbares Lied war, ist und geblieben ist, das nach wie vor, auch für mich, einen zeitlosen Bestand hat. Und es gibt wechselnd immer wieder welche, die ich sehr nahe bei mir trage, z. B. „Where Have You Been“ ist mit Sicherheit auch so eines, das witzigerweise gerade auf der Platte in der schwächsten Version ist, die ich davon kenne.
Mit wem würdest Du gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen?
Ob ich gerne mit ihnen auf der Bühne stehen würde weiß ich nicht, aber es gibt schon einige Leute, mit denen ich sehr gerne arbeiten würde. Peter Gabriel, den ich lange Zeit als Fan begleiten durfte, ohne dass er es weiß. (lacht) Oder Daniel Lanois, den bei uns kaum Leute kennen, außer die, die wirklich in der Branche zu tun haben, und sie kennen ihn eher als Produzent jeder Menge Leute und weniger als Interpreten eigener Lieder.
Ich danke herzlich für das Gespräch!
(Dagmar)
zum Interview aus dem Jahr 2005 zum Interview aus dem Jahr 2002
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